Dein Potsdam
Neues Palais im Park Sanssouci, Foto: PMSG SPSG/ André Stiebitz
Marmorpalais im Neuen Garten, Foto: PMSG SPSG/ André Stiebitz
Pfingstkirche, Foto: PMSG/ Uschi Baese-Gerdes

Potsdamer Persönlichkeiten – Kaiserin Auguste Victoria

Der Potsdamer Hohenzollern-Experte Jörg Kirschstein hat den Lebensweg von Auguste Victoria von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg (1858–1921) erforscht. Er ist Kastellan des Schlosses Babelsberg und Autor zahlreicher Bücher über die Hohenzollern. Im Podcast mit Anne enthüllt er viele Details. Aber auch ich möchte von Auguste Victoria berichten. Als ich meine Gästeführerlizenz für das Neue Palais machte, kam das Interesse für die letzte Kaiserin.

Ihren Lebensstart und ihr Ende verbrachte sie im Exil. Sie wurde in Dolzig in der Niederlausitz, also fern der holsteinischen Heimat geboren. Man nannte sie liebevoll Dona. Das Herzogtum ihrer Familie in Schleswig-Holstein war 1864 von Preußen annektiert worden. Ihre Jugend verlebte sie im Schloss Primkenau in Schlesien. Wilhelm von Preußen lernte sie schon 1868 kennen. Die Bekanntschaft wurde durch die befreundeten Eltern im Sommer 1878 in Potsdam erneuert.  Am 27. Februar 1881 heirateten sie in Berlin. Die Anfangsjahre der Ehe verbringen sie im Marmorpalais. Beide sind sportlich und unternehmen viel gemeinsam. Aus der Ehe gingen sieben Kinder hervor. Sie war eine engagierte Mutter, stillte ihre Kinder, brachte sie ins Bett und schob sogar den Kinderwagen durch den Park.

Man nannte sie auch „Kirchenjuste“. Ihren tiefen Glauben praktizierte sie in täglichen Gottesdiensten. Sie hat sich sehr für den evangelischen Kirchenbau engagiert und dazu auch ihre Privatschatulle geöffnet. In den Arbeitervierteln Berlins entstanden 66 neue Kirchen, mit Gemeindehäusern und Kindergärten. Ein Beispiel für Potsdam ist die Pfingstkirche. Nach dem Tod der Kaiserin gab sich die Kirche den Namen Kaiserin-Auguste-Viktoria-Gedächtnis-Kirche. Diesen Namen trug die Kirche bis 1946. Auguste Victoria gründete auch die Evangelische Frauenhilfe, die heute noch existiert. Wilhelm hat später oft versucht, aus der Ehe zu entfliehen, ging auf lange Reisen oder auf die Jagd.

1871 wird das Kaiserreich gegründet. 1888 ist das Drei-Kaiserjahr. Kaiser Wilhelm I stirbt, nach nur 99 Tage sein Sohn und Nachfolger, Kaiser Friedrich. Ihr Mann wird nun der Kaiser und Auguste Victoria mit 29 Jahren Kaiserin. Wilhelm II. legte Wert darauf, dass sie tadellos gekleidet war, sie gut aussieht, wenn sie auf Reisen gehen. Ausgefallen ist aber auch ihr eigenartiger Modestil. All ihre Kleider waren Einzelanfertigungen. Oft trägt sie eine lange Perlenkette und eine Ballonfrisur, diese bis zu ihrem Tod. Die Wintermonate verbrachte man in Berlin und nahm am kulturellen Leben teil. Ein Abendkleid kostete so viel wie ein Jahresgehalt eines Arbeiters. Wie sagt man so schön: „Adel verpflichtet“.

Nachdem die Kaiserin ihren Mann 1898 auf seiner Palästinareise begleitet hatte, konnte die evangelische „Kaiserin Auguste Victoria Stiftung“ in Jerusalem 1914 die Himmelfahrtkirche auf dem Ölberg einweihen. Das Krankenhaus verdankt seine Entstehung einem Versprechen Kaiser Wilhelm II. an die deutschen Bewohner Palästinas. 1903 gelang es, ca. 32 Morgen auf dem Ölberg in Jerusalem zu kaufen. Das Auguste-Viktoria-Hospital auf dem Jerusalemer Ölberg ist ein ursprünglich deutsches Hospiz und Krankenhaus der Kaiserin-Auguste-Victoria-Stiftung, das im Jahr 1910 eröffnet wurde. Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten hat in ihrer Werkstatt eine Büste der Kaiserin angefertigt. Diese ging 2019 auf die Reise zum Ölberg und kann nun im Kaisersaal bestaunt werden. Ich nahm am Pressetermin der SPSG teil und konnte Fotos machen.

Auguste Victoria besuchte während des ersten Weltkriegs Lazarette. Sie stellte sich in den Dienst des Roten Kreuzes. Öffentlich stand sie im Schatten ihres Gatten. Während des I. Weltkrieges gewann sie aber an Macht und wird somit zur moralischen Stütze. Sie liebte ihren Mann und warnt vor liberalen Entwicklungen, verhinderte damit aber wichtige Reformen. Je mehr dem Kaiser die Fäden der Herrschaft entglitten, desto mehr kämpfte sie für den Erhalt der königlichen Herrschaft. Im Sommer lebte die Familie in Potsdam im Neuen Palais. Heute kann man dort ein gemeinsames Schlafzimmer sehen, elektrische Klingelanlagen, Heizungsverkleidungen und einen Aufzug. Dieser wurde für die herzkranke Kaiserin im Nordfügel eingebaut, damit sie ihren Rosengarten weiterhin besuchen konnte. Es gab im Neuen Palais 2018 eine besondere Entdeckung. In einem Juwelentresor wurden 1.000 Briefe an Kaiserin Auguste Victoria, gefunden. Teils geöffnete und teils noch versiegelt. Als die ehemalige Kaiserin nach der Revolution am 21. November 1918 das Neue Palais verließ und kurz darauf ins niederländische Exil reiste, ließ sie die Briefe zurück.

Als sie in Doorn im Sterben lag, wollte sie nach Potsdam zurück, wo sie dreißig Jahre lang gelebt hatte. Sie ist Deutschlands letzte Kaiserin. Deutschland war nun aber eine Republik und eine First Lady mit einem fürsorglichen Idealbild kam da ungelegen. Der Wunsch wurde aber erfüllt. Es gibt eine Wochenschau-Aufnahme zur Beisetzung von Auguste Viktoria. Zu sehen ist der Trauerzug, der den Sarg vom Kaiserbahnhof Potsdam durch den Park Sanssouci führte und an der die Familie, ohne den letzten Kaiser, Fürsten und kaiserliche Generäle teilnahmen. Der prunkvolle Aufzug ähnelte den Paraden des Kaiserreichs und lockte 20.000 Menschen nach Potsdam. Ich durfte im Rahmen einer SPSG-Weiterbildung ihren Sarg im Antikentempel besuchen. Einst nahm der Tempel die Antikensammlung Friedrichs des Großen auf. 1918 wurde er zum Mausoleum bestimmt. Ihre letzte Ruhestätte fanden im Antikentempel weiterhin die zweite Gemahlin Wilhelms II., Hermine, die Kaisersöhne Joachim, Wilhelm und Eitel Friedrich.

Ein Porträt von Auguste Victoria vom Maler Franz von Lenbach befand sich im Großen Ankleidezimmer des Kaisers im Berliner Schloss und später über seinem Bett im Huis Doorn.

Nun hoffe ich, dass uns alle bald wieder besuchen können. Vielleicht hast du Lust bekommen, im Neuen Palais auf Spurensuche nach der letzten Kaiserin zu gehen. Ich wünsche dir dabei viel Freude!

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Mitarbeiterin Contentredaktion, PMSG Potsdam Marketing und Service GmbH
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