Deine Potsdam-Auszeit
Hinterhof in der Potsdamer Innenstadt, Foto: PMSG/ André Stiebitz
Hinterhof in der Potsdamer Innenstadt, Foto: PMSG/ André Stiebitz
Hinterhof in der Potsdamer Innenstadt, Foto: PMSG/ André Stiebitz
Hinterhof in der Potsdamer Innenstadt, Foto: PMSG/ André Stiebitz
Hinterhof in der Potsdamer Innenstadt, Foto: PMSG/ André Stiebitz

Mittendrin und doch woanders – Eintauchen in die Welt der Hinterhöfe

Die Hinterhöfe, die sich in Potsdams Innenstadt, links und rechts der Brandenburger Straße verstecken, sind eine Welt für sich. Sie bergen spannende Anekdoten und große Geschichte. Sie lassen sich auf eigene Faust oder mit einem Guide bei einer Stadtführung entdecken. Von April bis Oktober bietet die PMSG Potsdam Marketing und Service GmbH den geführten Rundgang „Potsdamer Hinterhöfe  – Anekdoten und Geschichten“ immer am Freitag an. Die Hinterhöfe sind eine eigene Welt, die sich einem erst auf den zweiten Blick zeigen. Auf dem Spaziergang durch Potsdams Innenstadt schaut man hinter die Barockfassaden und stellt fest: Viele der Höfe sind sogar miteinander verbunden. Abseits des Alltagstrubels herrscht hier eine ganz andere Stimmung, nur wenige Menschen verirren sich hierher. Dabei verstecken sich hinter den Fassaden kleine Oasen, schöne Gärten und sogar Fabriken.

Die Stadtplaner von heute hatten die Stadt von gestern im Auge. Sie wollten, dass die Leute in die Hinterhöfe reingehen und dass diese nicht im Verborgenen bleiben. Der Charme der Innenstadt sollte dabei bestehen bleiben. So erhielt man die gelben Backsteinfassaden oder auch die aufwendige Verlegeart des Bodens, der Mopke, bei dem die Steine vertikal aufgestellt wurden. Eine sehr besondere Form des Pflasterns, die in der Geschichte der Stadt verankert ist. Der bekannteste Ort nach Art des Mopke ist der gleichnamige Platz am Neuen Palais. Hier wurde eine sehr große Fläche auf diese Weise gepflastert, das heißt, die Backsteine wurden vertikal verlegt. Das ergab nicht nur ein ganz besonderes Muster. Es hatte auch den Vorteil, dass der Boden so sehr stabil war. Dies war einst sehr wichtig, da Potsdam auf sumpfigen Boden erbaut wurde. Man brauchte also festen Grund. Die Verlegeweise kommt ursprünglich aus den Niederlanden. Friedrich Wilhelm IV. war ein großer Fan der Niederlande und hat diese Art des Verlegens wohl nach Potsdam geholt. Bei der Wiederherstellung der Hinterhöfe wurde blieb sogar der Schornstein einer alten Seifenfabrik bestehen, der aber so niedrig ist, dass man ihn von der Straße aus gar nicht sehen würde. Auch das freigelegte Fachwerk des Vorderhauses lässt sich heute in vielen Hinterhöfen sehen.

Ein besonderer Hinterhof befindet sich in der Nähe vom Nauener Tor. Biegt man von der geschäftigen Friedrich-Ebert-Straße ab, so landet man in einem Hof, der eine angenehme Ruhe ausstrahlt. Fachwerk soweit das Auge reicht, holpriges Kopfsteinpflaster, verglaste Galerien. Außerdem verstecken sich hier ein Feinkostladen, ein Atelier und ein Haar-Salon des Star-Friseurs Udo Walz. Das spannende ist, dass man von diesem Hof über einen kleinen Weg in den nächsten Hof gelangt. Hier entdeckt man sogar noch einen alten Walnussbaum. Dieser war für Potsdam etwas ganz besonderes. Fast in jedem Hinterhof befand sich früher ein Walnussbaum, da sich hier hinten auch die Toilette, also das Plumpsklo befand. Der Baum sorgte dafür, dass das Ungeziefer fern blieb, denn diese mochten den Geruch der Walnuss-Blätter nicht. Man hielt damit also die Mücken und Fliegen fern, hatte im Winter aber auch Nüsse und außerdem gutes Holz, das sich zu Gewehren verarbeiten ließ. In der Garnisonstadt Potsdam gab es eine Gewehrfabrik.

Während des 2. Weltkrieges blieb Potsdams Innenstadt weitestgehend unversehrt. Nach Kriegsende wurden hier die Besatzer, also die Sowjets einquartiert. Durch den schlechten Umgang sind viele Gebäude in der Innenstadt verfallen. Das DDR-Regime hat sich vor allem dem Erhalt der Prestige-Objekte gewidmet, also den Kirchen und Schlössern. Die Hinterhöfe sind nach und nach verkommen, das Gewerbe ist abgewandert. Nur durch eine Bürgerinitiative, die sich kurz vor der Wende formte, konnte der Abriss vieler verfallender Häuser, verhindert werden. Nur dadurch gibt es heute wieder viele kleine Ecken und Höfe zu entdecken, die so viele Geschichten erzählen.

Für deinen Besuch gelten die aktuellen Hygiene- und Abstandsregeln. Bitte beachte, dass alle veröffentlichten Informationen, Veranstaltungen sowie Öffnungszeiten unter Vorbehalt stehen. Bei Fragen wende dich gern an unser Service Center – telefonisch unter +49 (0)331 2755 88 99 oder per E-Mail an info@potsdamtourismus.de.

Hier schreibt ...


ehemalige Mitarbeiterin Contentredaktion, PMSG Potsdam Marketing und Service GmbH

Bewegte Geschichte – Gedenkstätte Lindenstraße

In die Pflaster des Gehweges einer Seitenstraße der verkehrsberuhigten Brandenburger Straße sind Hinweise eingelassenen, die den Besucher zu einem besonderen Ort führen: zur Gedenkstätte Lindenstraße. Die vergitterten Fenster des barockes Stadtpalais geben einen ersten Hinweis auf die Geschichte und Nutzung dieses Gebäudes. Ehemals als Gerichts- und Gefängnisgebäude genutzt, befindet sich hier heute eine Gedenkstätte.
360° city view