Dein Potsdam
Filmmuseum in Potsdam, Foto: PMSG/ André Stiebitz
Filmdreh in Potsdam, Foto: PMSG/ André Stiebitz
Studio Babelsberg, Foto: PMSG/ André Stiebitz
Marlene Dietrich Allee, Foto: Filmuniversität Potsdam
Filmdreh an der Glienicker Brücke, Foto: PMSG/ André Stiebitz

Von 1899 bis heute – Potsdams filmreife Geschichte

Filmgeschichte(n) aus Babelsberg

Die 1899 gegründete Filmproduktionsgesellschaft „Deutsche Bioskop“ baut in der Stahnsdorfer Straße in Neubabelsberg ein Glasatelier für Dreharbeiten. Heute ist es das älteste Großatelier-Filmstudio der Welt und der größte zusammenhängende Studiokomplex Europas.

Am 12. Februar 1912 beginnen die ersten Dreharbeiten für den Stummfilm  Der Totentanz von Urban Gad mit Asta Nielsen in der Hauptrolle.

Am 18. Dezember 1917 wird die „Universum-Film AG“, kurz Ufa, gegründet. Sie zählt derzeit zu den größten Produktionsgesellschaften in Europa und ist eng mit der deutschen und internationalen Filmgeschichte verbunden.

Fritz Lang bringt 1927 den Film Metropolis als monumentalen Stummfilm des Expressionismus heraus. Dieser Science-Fiction-Film ist der erste seines Genres in Spielfilmlänge und der erste Film im Dokumentenerbe der UNESCO.

Fr den ersten deutschen abendfüllenden Tonfilm „Melodie des Herzens“ wird 1929 ein Tonfilmatelier, das sogenannte Tonkreuz, errichtet. In dieser Zeit ist es das modernste Tonstudio mit vier kreuzförmig angeordneten Ateliers.

Unter dem Nationalsozialismus erlebt die Ufa 1942 eine Umstrukturierung. Mit der Besetzung von einem Großteil Europas beschafft der nationalsozialistische Staat der UFA neue Absatzmärkte. Mit der Gründung der „Ufa-Film GmbH“ (UFI) am 10. Januar werden alle Aktivitäten von Ufa-Firmen als großer Konzern zusammengefasst.

Am 17. Mai 1946 wird durch die Übergabe der Lizenz für die Herstellung von Filmen aller Kategorien die „Deutsche Film Aktiengesellschaft“, kurz DEFA, in Babelsberg gegründet. Der erste Spielfilm „Die Mörder sind unter uns“ von Wolfgang Staudte (mit Hildegard Knef und Ernst Wilhelm Borchert in den Hauptrollen) gehörte zu den sogenannten „Trümmerfilmen“, die zwischen 1945 und 1949 in Deutschland entstanden.

Mit fast 13 Mio. Zuschauern zählt 1953 „Die Geschichte vom kleinen Muck“ zum größten  Erfolg der DEFA-Filmgeschichte – gefolgt von „Die Söhne der großen Bärin“ (1966) mit 9,42 Mio., „Heißer Sommer“ (1968) mit 3,44 Mio. und „Die Legende von Paul und Paula“ (1973) mit 3,29 Mio. Zuschauern.

1965/66 folgen Jahre der großen Kulturrestriktion. Viele Filmschaffende werden in der DDR radikal in ihrer künstlerischen und politischen Freiheit beschnitten. Filme wie „Spur der Steine“ (1966) von Frank Beyer – Manfred Krug in der Paraderolle des Vorarbeiters Hannes Balla – über die Missstände in der Bau- und Planwirtschaft gehören zu den 12 Filmen, die nach ihrer Premiere mit einem Aufführungsverbot belegt wurden. Auch „Karla“ und „Das Kaninchen bin ich“ dürfen nicht öffentlich aufgeführt werden. Viele dieser Filme erleben ihre Premiere erst nach dem Ende der DDR.

Nach der deutschen Wiedervereinigung wird aus der DEFA das „Studio Babelsberg“. Seit 2004 ist das Filmstudio als „Studio Babelsberg AG“ national und international tätig, sowohl als Produktionsdienstleister als auch als Produzent oder Koproduzent. In den folgenden drei Jahrzehnten entstehen international erfolgreiche Filme wie „Inglourious Basterds“, „Jim Knopf“ oder Serien wie „Homeland“, „Babylon Berlin“ und „Dark“.

Am 9. August 2013 wird für die UFI eine strategische Neuausrichtung beschlossen, um die Zukunftsfähigkeit der damaligen UFA zu sichern.  Aus sieben Labels werden drei UFA-Units gebildet. Unter dem Dach der „UFA GmbH“ agieren nun drei genrespezifische Einheiten: „UFA Fiction“, „UFA Serial Drama“ und „UFA Show & Factual“.

2019 wird Potsdam die erste UNESCO CREATIVE CITY OF FILM in Deutschland.

Deutschlands ältestes Filmmuseum

Die Filmgeschichte Potsdams ist so spannend, dass ihr ein eigenes Museum gewidmet wurde – untergebracht im ehemaligen Marstall des Stadtschlosses. Ursprünglich als Orangerie erbaut, diente das Gebäude mediterranen Pflanzen aus dem angrenzenden Lustgarten als Winterquartier. Unter Friedrich Wilhelm I. wurde das Haus zu Stallungen für die königlichen Reitpferde umfunktioniert. Seine heutige Gestalt bekam es im 18. Jahrhundert von Sanssouci-Baumeister Knobelsdorff. Seit 1981 residieren das Filmmuseum und ein Restaurant in dem Barockgebäude in Potsdams historischer Mitte. Neben der Dauerausstellung „Traumfabrik – 100 Jahre Film in Babelsberg“ werden wechselnde Ausstellungen rund um den Film präsentiert. Noch bis August 2022 steht das Sandmännchen mit einer liebevoll gestalteten Ausstellung im Rampenlicht. Mit den Ausstellungen und Sammlungen bewahrt und vermittelt es das filmische Erbe der über 100jährigen Geschichte des Film- und Medienstandorts Potsdam.

Auch ein Kino befindet sich in dem ehemaligen Marstall. Es zeigt Klassiker, aktuelle Streifen und Stummfilme, die zum Teil live an der Welte-Kinoorgel begleitet werden. Die wachsende Sammlung zur Babelsberger Filmgeschichte ist zudem eine Fundgrube für Wissenschaftler und Ausstellungsmacher.

Führung für Filmfans

Geschichten rund um UFA-Legenden und namhafte Architekten sowie die wechselvolle Geschichte des Viertels stehen im Mittelpunkt der Führung „Babelsberg – Filmstars, Villen, Weltgeschichte”. Wo vorher Wald und Maulbeerplantagen für die königlichen Seidenraupen zu finden waren, planten die kaiserlichen Bauräte ab 1871 die Villenkolonie Neubabelsberg. Wer hier am südlichen Ufer des Griebnitzsees eine Villa besaß, verfügte zumeist über Rang und Namen. Die Nähe zu den Filmstudios machte die Villenkolonie in späteren Jahren auch für Filmschaffende attraktiv. Der Rundgang ist für Gruppen bis maximal 15 Personen ganzjährig buchbar.

Hier schreibt ...


Mitarbeiterin Contentredaktion, PMSG Potsdam Marketing und Service GmbH

Mit Schauspieler Sebastian Stielke durch die Filmstadt Potsdam

Sebastian Stielke ist Schauspieler, Potsdam-Spezialist, Filmexperte und Autor. Er lebt in Potsdam und engagiert sich vielseitig, um die Stadt in ihrer Rolle als bedeutenden Filmstandort zu stärken. Dabei ist er Mitglied im Team der „UNESCO-Creative City of Film Potsdam“.
360° city view